Hafenmanöver

Anlegen vor Buganker und Heckleinen,

auch römisch-katholisch genannt

Vorbereitungsphase

Fender beidseitig ausbringen. Wenn man das schon längere Zeit vorher macht, kann man sie noch innenbords liegen lassen. Der Ankermann kann sie dann beim Gang nach vorne mit einem Fußtritt nach unten befördern.

Rollen verteilen: Ankermann, Heckleine Bb., Heckleine Stb. Der Ankermann sollte grundsätzlich Schuhe und Handschuhe tragen (Verletzungsgefahr!)

Achterleinen klar machen. Achten Sie darauf, dass sie nicht zu lang sind: Oft passiert es, dass Festmacher mit 25m Länge verwendet werden. Das führt unweigerlich zu Woolings, außerdem dauert es viel länger…
Festmacher mit einer Länge von 12 -14 Metern sind in den meisten Fällen völlig ausreichend!

Anker klarmachen.

Ggf. beidseitig einen Mann mit Fender bereitstellen

Jetzt sind die Vorbereitungen abgeschlossen und wir machen einen professionellen Eindruck bei der Ankunft.

Auswahl des richtigen Platzes

Wenn (!) Sie denn die Wahl haben, dann können Ihnen hier die Tipps helfen, Probleme nach dem Anlegen zu vermeiden:

Lautstarke Diskussionen an Bord wirken unprofessionell. Die Auswahl des Platzes ist allein Sache des Skippers!

Wenn Sie die Lücke gefunden haben, checken Sie die Ankerketten der beiden Nachbarboote.
Gehen die Ketten exakt nach vorne?

Gehen alle Ketten nach Backbord? Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass entweder starker Seitenwind von Backbord herrschte oder erwartet wird.

Sind die Ketten der Nachbarboot straff gespannt? Wenn ja, ist alles ok. Wenn nicht, besteht die Gefahr, dass bei Seitenwind das Boot mit der lockeren Kette sich auf Ihr Boot legt und drückt.

Ist der Kai beschriftet oder farbig markiert? Wenn ja, besteht die Möglichkeit, dass Sie später wieder wegmüssen.

Ist die Verlauf der Kaimauer völlig gerade? Das ist der Normalfall und Sie werden später beim Ablegen (und wenn sie die Kette genau im rechten Winkel gelegt haben) keine Probleme mit Kettensalat bekommen.

KaimauerIst der Verlauf der Kaimauer nicht gerade, z.B. so wie in der nebenstehende Grafik, dann haben Sie gute Karten: Die Ketten der Nachbarschiffe streben nämlich auseinander und es wird an einer solchen Kaimauer höchst selten zu Kettensalat kommen.

oder so?Kaimauer2

Dann sieht es schlecht aus: Die Ketten streben auf einander zu und der Ärger am nächsten Morgen ist vorprogrammiert.

Wenn Sie die Wahl haben, legen Sie an diesem Platz nicht an.

Kommt hinter der Lücke eine Straße vom Berg herunter?
Wenn ja, können Sie damit rechnen, dass es an dieser Stelle möglicherweise zu seicht ist: Der Regen hat Dreck ins Hafenbecken gespült. Außerdem sind das beliebte Orte für Abwasserrohre, die in den Hafen münden!

Das Anlegen

Laute und hektische Kommandos sind in dieser Phase nicht gefragt.

Der Ankermann steht am Bug, hat die Fernbedienung oder das Rohr zum Spill Lösen in der Hand und hat den Blick nur (!) auf den Skipper/Rudergänger gerichtet.

Manövrieren Sie Ihr Schiff nun in eine Position die etwa 100 Meter (wenn möglich!) lotrecht zum Verlauf des Kais liegt.

Stellen Sie das Schiff etwas schräg (Schraubeneffekt!), siehe Bild.

Rückwärts Gas geben. Der Schraubeneffekt zieht nun das Schiff in die richtige Richtung. Kaimauer3Wenn nicht, dann haben Sie noch etwas Strecke, um das Schiff in die richtige Richtung zu bringen. Das war der Sinn des etwas größeren Abstands!

Jetzt stellt sich dem Skipper die Frage: Wann werfe ich den Anker?
Das hängt nun von Wassertiefe und Ankergrund ab. Der Skipper / Rudergänger gibt per (vorher verabredetem) Handzeichen das Kommando zum Ankerwerfen und zeigt die Kettenlänge an. (Fünfmal die Wassertiefe)

Wie viel Fahrt Sie rückwärts machen, hängt von der Stärke des Seitenwindes ab. Je mehr Wind von der Seite, desto mehr Fahrt sollte im Schiff sein.

Der Ankermann lässt optimaler weise in Fahrtgeschwindigkeit die angezeigte Kettenlänge heraus und stoppt selbständig.

Der Rudergänger fährt nun den Anker ein und prüft mit immer höherer Drehzahl (bis 2000 U/min sollte das Geschirr schon aushalten) die Haltekraft.

Das Schiff steht jetzt. Beim erneuten Anfahren kommt bei Schiffen mit starrer Welle wieder der Schraubeneffekt zur Wirkung. Deswegen muss das Schiff zunächst wieder ein Stück zum Anker und schräg gestellt werden.

Der Ankermann lässt nun gefühlvoll soviel Kette heraus, wie das Schiff sich holt. Keinesfalls darf er das Boot aufstoppen, das ist Sache des Rudergängers.

Am Kai angekommen bremst der Rudergänger das Schiff vor dem Kai sanft ab, so dass die Crewmitglieder an Land, oder die Festmacher geworfen werden können. Nun können die Leinen an Land belegt werden (wenn möglich auf Slip). Die Luvleine immer zuerst fixieren, damit bei Seitenwind in diese eingedampft werden kann.
Der Rudergänger ist damit beschäftigt, das Schiff auf der Stelle zu halten um zu verhindern, dass das Heck den Kai touchiert oder der Bug abdriftet.
Erst jetzt, wenn die Festmacher auf die richtige Länge eingestellt und belegt sind, holt der Ankermann die Kette auf gute Spannung. Gut ist es, wenn dann an Bord eine so genannte „Teufelskralle“ ist, die man an der Kette einpicken kann, auf einer Klampe belegt und somit die enorme Spannung von der Nuss nehmen kann.

In dieser Situation kommt es immer wieder vor, dass von wem auch immer an Land „gute Ratschläge“ erteilt werden. Die Crew sollte vom Skipper vorher (!) instruiert werden, solche Anweisungen zu ignorieren und nur die Anordnungen des Skippers umzusetzen!

©Peter O. Walter